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Der Pick-Up Artist | Teil 1

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Mir gefiel es zwar, dass jemand sich für mich inter­es­sierte, den­noch war ich noch nicht bereit für etwas Neues. L und ich waren erst wenige Monate getrennt. Ich hatte damals Schluss gemacht — nicht etwa, weil die Liebe weg gewe­sen wäre. Die Bezie­hung zwi­schen uns war von Anfang an schwie­rig.

Meine Alarmglocken? Unterdrückt, weil ich ihn so gern hatte

L. kam lange nicht von sei­ner Ex-Freundin los, ging aber den­noch eine Bezie­hung mit mir ein. Ver­mut­lich, weil er genauso wenig alleine sein kann wie ich. Ich glaube auch, dass er mich wirk­lich mochte. Aller­dings nicht so sehr wie sie und auch nicht so sehr wie ich ihn. Er war sicher froh mich zu haben: Es war immer jemand zuhause, wenn er heim­kam und das Bedürf­nis nach Nähe hatte, immer lag jemand in sei­nem Bett.

L. war eine schwie­rige Per­son, ego­is­tisch und nar­ziss­tisch ver­an­lagt, mit vie­len depres­si­ven Pha­sen. Er war der Mei­nung, die ganze Welt sei gegen ihn und nie­mand würde ihn ver­ste­hen. Mit nahezu jeder Per­son aus sei­nem und unse­rem Umfeld eckte er an — das lag laut ihm aber immer an den ande­ren, nie an ihm. Ich habe immer zuge­hört und ver­sucht zu hel­fen, von Anfang an. War sogar ver­ständ­nis­voll und habe ihn getrös­tet, als er mir erzählte, dass seine Ex-Freundin ihm nicht aus dem Kopf gehe. Meine Alarm­glo­cken? Unter­drückt, weil ich ihn so gern hatte. Meine Bedürf­nisse und Pro­bleme durf­ten nie Thema sein.

Hinzu kam, dass jede Frau inter­es­san­ter für ihn war als ich und ich nie­mals gut genug. Er flir­tete mit Frauen, wenn ich dabei war und erzählte mir ohne Wei­te­res, wenn eine Frau ihm gut gefiel. Was er mir damit antat, merkte er nicht. Kom­pli­mente bekam ich nie. Irgend­wann fühlte ich mich nur noch klein und unat­trak­tiv. Je län­ger wir zusam­men waren, desto weni­ger fühlte ich mich wert­ge­schätzt. Er blieb meist die ganze Nacht lang weg. Wenn ich ihn an den Wochen­en­den fragte, ob wir etwas unter­neh­men wol­len, sagte er, er hätte dafür keine Zeit, müsse so viel arbei­ten — bis abends natür­lich, als er die Woh­nung wie­der ver­ließ, ohne mich. Ich könne ja mit­kom­men, sagte er, ver­stand dabei aber nicht, dass ich gerne auch mal gemein­sam mit ihm einen Abend pla­nen wollte und nicht immer nur mit­zu­kom­men, wenn er zu sei­nen Freun­den in die Kneipe geht. Dass ich auch gerne mal alleine mit ihm einen Abend ver­brin­gen wollte, weil wir schon unter der Woche so wenig Zeit zusam­men hat­ten, war ihm egal. Spä­tes­tens zu die­ser Zeit hätte ich end­lich kapie­ren müs­sen, dass er mich nicht wirk­lich will. Habe ich wahr­schein­lich auch, das jedoch gekonnt ver­drängt. So ver­brachte ich die meiste Zeit alleine und wurde immer ein­sa­mer und frus­trier­ter. Schon Monate vor der Tren­nung war ich so unglück­lich, dass ich wusste, dass eine Tren­nung unaus­weich­lich ist und er sich nie­mals ändern würde. Mich zu tren­nen schob ich aber immer wie­der auf und redete mir alles schön.

Ich habe oft ver­sucht mit ihm zu reden, ihm zu sagen wie ich mich mit der Situa­tion fühle, dass ich unglück­lich bin. Er hat mich nie ver­stan­den und ver­suchte mir ein­zu­re­den, dass das alles meine Schuld sei. Ich sollte immer zuhause sein und bereits sehn­süch­tig auf ihn war­ten, wenn er nach­hause kam. Hatte ich selbst Pläne mit Freun­den, war er sauer auf mich. Stän­dig unter­stellte er mir, ich würde auf andere Män­ner ste­hen. Erst im Nach­hin­ein ist mir klar gewor­den, dass er ver­mut­lich sein eige­nes Ver­hal­ten auf mei­nes pro­ji­zierte. Im Haus­halt half er mir nie. Seine Aus­rede war stän­dig: „Ich muss ganz drin­gend arbei­ten“, wobei er eigent­lich den gan­zen Tag nichts ande­res machte, als Joints zu bauen. Er mochte Ord­nung und konnte kochen, erzählte mir vol­ler Stolz, wie er frü­her Frauen bekochte — was er für mich nicht ein ein­zi­ges Mal tat. Ich musste put­zen, kochen, zusätz­lich noch ein­kau­fen, obwohl ich genauso viel arbei­ten musste, wie er. Hätte ich das nicht über­nom­men, hätte es kei­ner getan.  Nie hörte ich ein ein­fa­ches Danke oder eine andere Wert­schät­zung, im Gegen­teil. Es gab immer irgend­et­was zu bemän­geln. Ins­ge­samt war ich für ihn wohl nichts ande­res als eine Putz­frau, zu der er sich abends schön ins Bett legen konnte. Erst als ich unmiss­ver­ständ­li­che Nach­rich­ten fand, die nicht an mich gerich­tet waren wusste ich, dass ich mich sofort tren­nen muss.

Ich trennte mich also, weil ich den letz­ten Fun­ken Stolz nicht auch noch ver­lie­ren wollte. Für Außen­ste­hende mag das unver­ständ­lich sein. Ich wusste, dass die meis­ten mei­ner Freunde sich den Satz „Trenn dich doch bitte end­lich“ dach­ten, aber nie aus­spra­chen.  Sowas sieht man Men­schen an, auch wenn nie­mand es wirk­lich aus­spricht. Als es dann end­lich vor­bei war, war nie­mand son­der­lich über­rascht. Nach der Tren­nung brauchte ich erst­mal viel Ruhe vor Män­nern. 

Und dann kam M.

Fortsetzung folgt.

 

Die Geschichte ist frei erfun­den. Ähn­lich­kei­ten oder Bezüge zur Rea­li­tät sind unbe­ab­sich­tigt. 

2 Kommentare

  1. Konstantin Bücking

    Wann kommt end­lich Teil 2? Wann?!?

  2. Wow, ich bin wirk­lich davon aus­ge­gan­gen, dass diese Geschichte nicht fik­tiv ist. Sie fühlt sich für mich sehr real an. Und falls du so eine oder ähn­li­che Sita­tio­nen schon durch­le­ben muss­test tut mir das sehr leid für dich. Ich glaube das ist der schlimmste Alb­traum eine Bezie­hung zu füh­ren, die nie wirk­lich glück­lich war. 

    Liebe Grüße,
    Sarah (sasarinchen.blogspot.de)

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