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GILMORE GIRLS — ein ganzes Jahr. Was ich denke.

IMG_3093Ein Jahr lang dar­auf gewar­tet und nach einem Tag ist  Gil­more Girls — ein neues Jahr auch schon wie­der vor­bei. Nach dem Ende der letz­ten Folge saß ich mit offe­nem Mund da. Ist das ein gutes oder schlech­tes Zei­chen? Was ich von der neuen Staf­fel halte erfahrt ihr hier.

In die­sen Tagen, nach Ver­öf­fent­li­chung der neuen Gil­more Girls Staf­fel saß wohl kei­ner der “Binge Wat­cher” befrie­digt vor dem Net­flix Konto. Ich durfte die erste Folge bereits zwei Wochen vor der Pre­miere sehen und wurde rich­tig heiß gemacht, hatte Lust auf mehr — und wurde in den drei wei­te­ren Fol­gen fast schon ent­täuscht.

Das Seri­en­fi­nale nach 7 Staf­feln vor fast zehn Jah­ren hat mir damals gut gefal­len. Das Ende war für beide Cha­rak­tere ange­mes­sen. Lore­lai und Luke fan­den wie­der zuein­an­der, Rory lehnte den Hei­rats­an­trag ihrer College-Liebe Logan ab und war als Sin­gle bereit für die große weite Welt — ihr stan­den alle Türen offen. Viele hat­ten sich damals auch ein Happy End für Rory gewünscht, die Mes­sage aber war schon damals eine ganz wich­tige: Rory hatte eine wun­der­schöne Kind­heit mit ihrer allein­er­zie­hen­den Mut­ter. Jede ein­zelne Staf­fel hat uns gezeigt, dass eine Frau Kar­riere machen und glück­lich sein kann ohne einen Mann an ihrer Seite. Ja, es ist schön einen Part­ner zu haben und sich gemein­sam mit ihm etwas auf­zu­bauen, in der heu­ti­gen Zeit geht es jedoch auch super ohne. Schon längst müs­sen Frauen sich nicht mehr abhän­gig von ihrem Part­ner machen und ste­hen am Ende mit Nichts da, wenn die­ser sie bei­spiels­weise durch eine jün­gere Frau ersetzt.

Ich hole jetzt zu weit aus — ich schaue gerade Vor­stadt­wei­ber auf Net­flix, die Serie han­delt von abhän­gi­gen Haus­frauen aus Wien, die auf­grund von Ehe­ver­trä­gen nicht aus ihren unglück­li­chen Ehen her­aus­kom­men. Das Gucken die­ser Serie macht mich durch­ge­hend wütend. Der Kon­trast dazu ist da ein­fach Gil­more Girls — wie schon erwähnt, allein­er­zie­hende Mut­ter, die bei Null anfängt, zu Anfang nichts hat, sich aber auch ohne Mann etwas auf­baut — so führt das Rory für mich auch im Staf­fel­fi­nale wei­ter: Sie schließt das Col­lege als Jahr­gangs­beste ab, trennt sich von Logan und ist im Begriff, Kar­riere zu machen. Diese Mes­sage sollte in Serien heute viel mehr im Fokus ste­hen. Bis dahin war für mich also alles gut, das Ende war befrie­di­gend und bedarf eigent­lich kei­ner Fort­set­zung.

Den­noch habe ich mich natür­lich gefreut, als vor gut einem Jahr Gerüchte um eine neue, von Net­flix pro­du­zierte, Staf­fel bekannt wur­den. Nost­al­gie­ge­fühle mach­ten sich in mir breit, die Vor­freude auf das Abtau­chen in die Welt von Stars Hol­low, gene­rell das Abtau­chen in eine andere Welt, wie es sonst nur Harry Pot­ter in mir her­vor­ruft, war groß! Als Net­flix dann in die­sem Jahr alle alten Staf­feln ver­öf­fent­lichte tauchte ich erneut ein in diese Welt. Jede ein­zelne Folge berei­tete mir Glücks­ge­fühle, wie ich sie sel­ten bei Serien habe und die Vor­freude auf die neue Staf­fel wurde nur noch grö­ßer.

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Zwei Wochen vor Ver­öf­fent­li­chung der neuen Staf­fel durf­ten Jessy und ich im Admi­rals­pa­last in Ber­lin auf einem Net­flix Event die erste Folge schon vorab sehen und die bei­den Haupt­dar­stel­le­rin­nen Lau­ren Gra­ham und Alexis Ble­del live sehen. Als an die­sem Abend der Abspann der ers­ten Folge durch­lief, hatte ich Trä­nen in den Augen und musste auch wäh­rend der ers­ten Folge die ein oder andere Träne zurück­hal­ten. Ich hatte Lust auf mehr!

SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER 

Was mir gefallen hat

Emily Gil­more, für mich der heim­li­che Star die­ser Staf­fel. Eine Frau, die 50 Jahre lang ver­hei­ra­tet und somit sehr abhän­gig war (da haben wir es wie­der, die Abhän­gig­keit einer Frau von ihrem Mann!), steht auf ein­mal alleine da und beginnt im Jahr nach Richards Tod, ihr Leben von Grund auf zu ändern. Das erste Mal über­haupt schließt sie eine ihrer Haus­häl­te­rin­nen in ihr Herz und gewährt ihrer gan­zen Fami­lie Obdach. Das Haus ist nicht mehr so ste­ril und leer wie bis­her, son­dern vol­ler Leben. Sonst immer in adret­ten Kos­tüm­chen trägt sie plötz­lich Jeans und Turn­schuhe, weil ihr gan­zer Besitz ihr auf ein­mal sinn­los vor­kommt. Sie beginnt eine The­ra­pie um ihre Trauer zu über­win­den, schießt ihren ober­fläch­li­chen “Frau­en­ver­ein” in den Wind und beginnt letzt­end­lich, Füh­run­gen in einem Museum zu geben. Emily wirkt zum Ende der vier Fol­gen zufrie­den mit sich und ihrem Leben.

Die Ent­wick­lung von Emily Gil­more in die­ser Staf­fel finde ich groß­ar­tig. Zu Anfang völ­lig ver­lo­ren baut sie sich über die vier Fol­gen etwas auf und beginnt ein kom­plett neues Leben.

Rory kam bei den meis­ten Zuschau­ern wohl am schlech­tes­ten weg. Mit ihren 32 Jah­ren hängt sie in der Luft, hat kei­nen Job und auch kei­nen fes­ten Wohn­sitz. Ihre Rolle in der Staf­fel nehme ich mit gemisch­ten Gefüh­len wahr. Ihre Ent­wick­lung emp­finde ich der heu­ti­gen Zeit der Zukunfts­angst ent­spre­chend und kann mich daher sehr gut mit ihr iden­ti­fi­zie­ren. Mir gefällt, dass auch eine streb­same Rory mal nicht mehr weiß wie es wei­ter­geht und auch ihr nicht immer alles zufliegt.

Was mir nicht gefal­len hat

Die nega­tive Kri­tik über­wiegt in mei­nem Fall lei­der und hier fahre ich direkt mit Rory fort. Auch wenn ich mich mit ihr iden­ti­fi­zie­ren kann gab es doch so eini­ges, was mir nicht gefal­len hat. Ange­fan­gen mit der Paul-Story — was sollte das? Ich muss geste­hen, dass ich die “Wer ist Paul”-Dialoge stel­len­weise sehr lus­tig fand, sie aber ein­fach nicht zu Rory pass­ten. Rory ist seit zwei Jah­ren mit Paul zusam­men, behan­delt ihn wie Dreck, betrügt ihn. Rory hatte in der Ver­gan­gen­heit zwar bereits eine Affäre mit einem ver­hei­ra­te­ten Mann, näm­lich kei­nem gerin­ge­ren als Dean, des­we­gen ist das eigent­lich nichts Neues. Aber jah­re­lang eine Bezie­hung zu füh­ren mit einem Mann, den sie gar nicht liebt? Nein, für sowas ist Rory zu kor­rekt.

Dann die Szene, in der Rory unvor­be­rei­tet in ein Vor­stel­lungs­ge­spräch geht, weil sie über­heb­li­cher­weise der Über­zeu­gung ist, dass das Online Maga­zin sie ohne­hin ein­stellt, ist eben­falls etwas, das abso­lut nicht zu ihr passt. Rory geht nie­mals unvor­be­rei­tet in ein Vor­stel­lungs­ge­spräch, auch wenn sie sich ihrer Sache ziem­lich sicher ist. Als ein­zige Erklä­rung dafür kommt eigent­lich nur in Frage, dass sie diese Stelle sowieso nie wollte und ledig­lich zum Vor­stel­lungs­ge­spräch erscheint, um über­haupt irgend­ei­nem Job nach­zu­ge­hen. Diese Erklä­rung gefällt mir jedoch nicht — Rory erfüllt jede Auf­gabe und jeden Job mit vol­lem Ein­satz. Wir erin­nern uns an die Cha­rity Gala für den Frau­en­ver­ein, den Rory wäh­rend ihrer Yale-Auszeit selbst­stän­dig plante und aus­führte — eine Auf­gabe, die eigent­lich über­haupt nicht zu ihr passt, die sie aber den­noch mit Bra­vur meis­terte.

Die Staf­fel endet mit der Bekannt­gabe von Rorys Schwan­ger­schaft, danach folgt der Abspann. Mein ein­zi­ger Gedanke nach die­sem Ende: What the Fuck?? 

Lore­lai ist glück­lich mit Luke, wirkt ins­ge­samt aber in allen Berei­chen sehr unzu­frie­den und alles andere als ange­kom­men. Die Über­le­gung eines gemein­sa­men Babys zweier End­vier­zi­ger wirkt in mei­nen Augen gänz­lich über­flüs­sig, ins­be­son­dere des­halb, weil diese ledig­lich in der ers­ten Folge the­ma­ti­siert wird und dann kom­plett im Sand ver­läuft. Man kann diese Über­le­gung auch nicht so ganz nach­voll­zie­hen. Was haben die bei­den denn die letz­ten zehn Jahre gemacht und warum keimt die­ser Gedanke erst so spät auf? Lore­lais Selbst­fin­dungs­reise, die letz­ten Endes auf­grund meh­re­rer Zei­chen über­haupt nicht statt­fand, war zwar irgend­wie lus­tig anzu­se­hen — Lore­lai hat kon­ti­nu­ier­lich Pro­bleme, alles in ihren Ruck­sack zu bekom­men, er platzt stän­dig wie­der auf. Dann möchte sie zwei­mal auf­bre­chen und zwei­mal wird ihr ein Strich durch die Rech­nung gemacht — sie kehrt wie­der heim. Aber auch da fragt man sich ein­fach, warum die­ser Trip über­haupt nötig war.

Noch über­flüs­si­ger war  aber das Stars Hol­low Musi­cal, das für mich kei­nen ande­ren Effekt hatte, als die dritte Folge zu fül­len, denn die Gene­ral­probe des Musi­cals nahm gefühlt die Hälfte der Folge ein, war ein­fach super lang­wei­lig anzu­se­hen und man begann sich zu Fra­gen, was genau die Macher uns jetzt eigent­lich ver­mit­teln woll­ten. Diese in die Länge gezo­gene Szene hätte locker in 5 Minu­ten abge­fer­tigt wer­den kön­nen.

So rich­tig ent­täuscht hat mich der Wer­de­gang des Dra­gon Fly Inneinst auf­ge­baut von Lore­lai, Soo­kie und Michel, am Ende nur noch irgend­wie zusam­men­ge­hal­ten von einer unzu­frie­de­nen Lore­lai. Beson­ders die Rolle der Soo­kie, die dem Hotel und auch ihrer bes­ten Freun­din kom­plett den Rücken kehrt,  hat mich bit­ter ent­täuscht. Melissa McCar­thy, die die Soo­kie spielt hatte auf­grund eige­ner Pro­jekte wohl keine Zeit für die neue Gil­more Girls Staf­fel, das hätte man aber mei­ner Mei­nung nach kom­plett anders lösen müs­sen. Soo­kie kam alles in allem ein­fach sehr schlecht weg, genau wie auch Michel, der zwar immer schon ein Mie­se­pe­ter war, auf den man sich jedoch immer ver­las­sen konnte und der alles für das Hotel gege­ben hätte. Auch Michel lässt Lore­lai nun im Stich, das Dra­gon Fly Inn reicht ihm nicht mehr und Lore­lai muss sich erneut Geld für ein grö­ße­res Hotel lei­hen, um ihn irgend­wie zu hal­ten.

Fazit

Es war schön, erneut für einen Tag in ein gan­zes Jahr Gil­more Girls abzu­tau­chen. Am gewohn­ten Witz und Charm hat es auch in die­ser Staf­fel abso­lut nicht gefehlt, beson­ders die “Um-die-30″-Gruppe, aber auch einige andere Sze­nen haben bei mir für große Lacher gesorgt. Das Ende  und damit Rorys Schwan­ger­schaft jedoch ist wohl für die meis­ten von uns völ­lig unbe­frie­di­gend und viel zu offen als dass eine Fort­set­zung völ­lig aus­ge­schlos­sen wäre. Und wie­der ist Rory, wie bereits nach dem gro­ßen Seri­en­fi­nale im Jahr 2007 allein und hat in Sachen Liebe kein Happy Ending, was viele sich ein­fach gewünscht hat­ten, um mit der Serie irgend­wie abschlie­ßen zu kön­nen. Gene­rell kam Rorys Lie­bes­ge­schichte ein­fach viel zu kurz — eine Affäre mit Logan, einem ver­liebt durchs Fens­ter star­ren­den Jess  und den über­flüs­si­gen Paul, da hat­ten wir uns alle ein­fach viel mehr erhofft.

Die neue Staffel sorgt für ordentlich Gesprächsstoff. Wie habt ihr sie empfunden?

1 Kommentar

  1. Lena

    Ich stimme dir bei den meis­ten Din­gen abso­lut zu. Rory hat sich mei­ner Mei­nung nach kein biss­chen wei­ter­ent­wi­ckelt, bzw. hat sie sich nur zum schlech­ten ent­wi­ckelt. Die Sache mit Paul ging gar nicht, das passt auch nicht zu ihr und die Affäre mit Logan auch nicht. Damals mit Dean war es irgend­wie anders, er war ihre erste große Liebe, aber nun betrügt sie sowohl Paul als auch Logans Ver­lobte und was mich am meis­ten gestört hat war, dass Lore­lai voll­kom­men damit ein­ver­stan­den ist. Das passt auch so gar nicht.
    Emily, Luke, Kirk und Lane fand ich wie immer toll, ich finde es so so trau­rig, dass Lane und die Band so wenig zu sehen waren und man kaum etwas dar­über erfährt wie es ihnen so ergan­gen ist.
    Ich finde, man hätte mit 90 Minu­ten pro Folge sooo viel mehr machen kön­nen, das Musi­cal hätte wirk­lich in ein paar Minu­ten abge­han­delt wer­den kön­nen und man hätte sich mei­ner Mei­nung nach viel mehr auf Neben­dar­stel­ler und deren Ent­wick­lung kon­zen­trie­ren kön­nen.

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