Visit Homepage
Skip to content

Lach doch mal…

lachen1

Lach doch mal” ist eine Auf­for­de­rung an mich, die ich wirk­lich oft von ande­ren, meis­tens völ­lig frem­den Men­schen zu hören bekomme und auf die ich inzwi­schen — oder wahr­schein­lich schon immer — all­er­gisch reagiere. Denn dass ich tat­säch­lich eigent­lich gute Laune habe ist für andere Men­schen oft­mals nicht zu erken­nen. Und das ist ein Pro­blem.

Das Bit­chy Res­ting Face — so lang­sam in jedem Wort­schatz vor­han­den, möchte man mei­nen. Ein doch mitt­ler­weile sehr abge­dro­sche­nes Thema, so scheint es. Ja, wir wis­sen es lang­sam. Du hast ein Bit­chy Res­ting face, du auch. Und du auch. Und ich eben­falls! Lei­der… Nach mei­nen bis­he­ri­gen Erfah­run­gen immer noch ein brand­ak­tu­el­les Thema, werde ich doch wie­der und wie­der von Men­schen in mei­nem Umfeld dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich eine nega­tive Aus­strah­lung habe. Natür­lich sagt man mir das nicht so. Da kommt dann meist ein “Lach doch mal!”, mit for­dern­dem, aber den­noch moti­vie­ren­den Unter­ton. Oder ein “Du hast nicht so rich­tig Spaß, oder?”, denn man wirkt auf alle ande­ren müde, trau­rig oder gelang­weilt, obwohl man es gar nicht ist. Es gibt Men­schen, die in ent­spann­tem Zustand einen posi­ti­ven Gesichts­aus­druck haben, obwohl sie genauso viel dafür tun wie Men­schen mit nega­ti­vem Gesichts­aus­druck — näm­lich rein gar nichts. Doch trotz­dem wir­ken sie auf andere eben posi­tiv. Im Gegen­satz zu mir.

lachen2

Als ich vor ein paar Jah­ren das erste Mal vom Bit­chy Res­ting Face hörte, war ich dank­bar dafür, dass es dafür end­lich einen Namen gab. End­lich würde man mich ver­ste­hen und nicht sofort auto­ma­tisch den­ken ich sei komisch oder hätte kei­nen Spaß. Doch erst vor weni­gen Wochen wurde ich erneut eines bes­se­ren belehrt. Abends im Club, beim Tan­zen mit einer Freun­din. Ich hatte wirk­lich rich­tig viel Spaß. Bis zu dem Zeit­punkt, als jemand zu mir kam und mich mit den Wor­ten “Mensch, lach doch mal” begrüßte. Und genau das hat mir dann meine Laune ver­dor­ben, mich sogar rich­tig wütend gemacht. Für mich war das so etwas wie ein Ein­griff in meine Pri­vat­sphäre, sollte ich doch bitte alleine ent­schei­den dür­fen, ob ich lache oder eben nicht. Diese Auf­for­de­rung sollte als “Ice­brea­ker”, als Gesprächs­ein­stieg die­nen, wie sich im wei­te­ren Ver­lauf des Geprä­ches her­aus­stellte. Der Schuss ging nach hin­ten los, wie man so schön sagt.

Weil ich wirk­lich so oft höre, dass mein Gesichts­aus­druck unfreund­lich auf andere wirkt, bin ich per­ma­nent dar­auf bedacht, freund­li­cher zu schauen, weil ich lei­der nicht damit geseg­net bin, es auto­ma­tisch zu tun. Das endet dann aber meis­tens so ver­krampft , dass andere mich wie­derum für arro­gant und unnah­bar hal­ten  und es mir Miss­mut berei­tet, weil ich so sehr dar­auf ach­ten muss. Ein Teu­fels­kreis!

Ich hatte mei­nen Freund gerade frisch ken­nen­ge­lernt, als eine Party in sei­ner WG anstand. Ich war dort also “die Neue”, als ich bereits von ihm und spä­ter auch von sei­nem Mit­be­woh­ner zu hören bekam, dass eine gemein­same Freun­din sich fragte, was er denn mit einer “solch arro­gan­ten Kuh” wie mir wolle. Ich war geschockt, hatte ich bis­her kaum ein Wort mit die­ser Per­son gewech­selt und mir bis­lang noch kein Urteil bil­den kön­nen. Ich kate­go­ri­siere Men­schen für gewöhn­lich immer erst dann in “sym­pa­thisch” oder “unsym­pa­thisch”, wenn ich sie etwas näher ken­nen­ge­lernt habe. Damals ging mir das sehr nah, weil ich von mir ja weiß, dass ich ein net­ter Mensch bin und mir mein Gesicht mal wie­der so “ent­wi­chen” sein muss, dass ich für andere wie eine “arro­gante Kuh” aus­sah.

Ein Freund von mir kann mit mei­nem “Gesicht” bzw. mei­nen Gesichts­aus­drü­cken über­haupt nicht umge­hen. Meis­tens ist er total ver­wirrt, wenn wir uns unter­hal­ten und er mei­nen Gesichts­au­druck mal wie­der nicht deu­ten kann. “Ist alles okay? Bist du sauer?” Nein, bin ich eigent­lich nicht, alles super. Weil ich diese Frage von ihm schon kenne, ant­worte ich natür­lich meis­tens schon etwas genervt. “Na irgend­was ist doch, ich sehe das doch!” Meine Stan­dard­ant­wort mit­ler­weile: “Ist mein Gesicht, weißte doch!” Dar­auf folgt meist ein wis­sen­des Nicken.

Ich bin ein Mensch, der sehr glück­lich und zufrie­den durchs Leben geht, das nach außen hin aber nicht zeigt. Unbe­wusst. Ich denke ein­fach nicht dar­über nach und bin ganz ent­spannt. Wenn ich eine tolle Nach­richt erhal­ten habe und “happy” dar­über bin, kön­nen das meine Mit­men­schen nicht sehen. Oder wenn mir jemand eine Freude macht, dann bedanke ich mich zwar , lächle und freue mich auch, aller­dings für andere wohl zu wenig, dabei  explo­diere ich inner­lich fast vor Freude und könnte Bäume aus­rei­ßen.  Und das kann andere ver­un­si­chern, denn sie  kön­nen nicht deu­ten, was in Men­schen wie mir vor­geht, sie benö­ti­gen einen pas­sen­den Gesichts­aus­druck als Hilfe. Ich bin mir der Tat­sa­che bewusst, dass ich Men­schen häu­fig unge­wollt vor den Kopf stoße, obwohl das gar nicht meine Inten­tion ist. Im Gegen­teil! Aus die­sem Grund bringe ich die “Sache mit mei­nem Gesicht” häu­fig schon ganz am Anfang ein, wenn ich eine Per­son neu ken­nen­lerne, um zu signa­li­sie­ren, dass ich mich in ihrer Gegen­wart eigent­lich wohl­fühle. Glei­cher­ma­ßen würde ich mir von ande­ren Men­schen wün­schen, erst zu urtei­len, wenn sie jeman­den rich­tig ken­nen­ge­lernt haben, so wie ich das tue. Gebt jedem eine Chance, auch wenn die Signale abwei­send zu sein schei­nen, denn ihr könn­tet Men­schen ken­nen­ler­nen, die euer Leben berei­chern!

lachen3

Wart ihr auch schon mal in einer ähn­li­chen Situa­tion?

5 Kommentare

  1. Anna

    Hi,
    das kenne ich nur allzu gut!! Ich bin ein intro­ver­tier­ter und stil­ler Mensch, sodass ich auch häu­fig nie viel rede und im gesel­li­gen Kreis nie laut bin. UND DANN kommt noch mein unfreundlich/traurig und was auch sonst immer wir­ken­des Gesicht dazu :D. Das mit dem “Lach doch mal! / Geht’s dir gut? Was ist denn los?” von Frem­den oder wem auch immer zu hören, wenn man eigent­lich gut drauf ist, ist ein­fach nur ner­vig. Mitt­ler­weile ver­su­che ich immer bewusst, wenn ich auf die Arbeit gehe, sofort die Leute sehr freund­lich und mit Mund­win­keln bis zu den Augen­brauen (..) zu begrü­ßen und als erste zu fra­gen, wie es Ihnen geht etc… Klappt gut (…).
    Trotz­dem beglei­tet mich das Bit­chy res­ting face durch das Leben. Mein Freund, nach sechs Jah­ren Bezie­hung, denkt sich manch­mal immer­noch, warum ich so ein Gesicht “ziehe”..

    Liebe Grüße!

  2. Karla

    Oh genau so ist es bei mir auch. Dabei bin ich ein echt kom­mu­ni­ka­ti­ver und glück­li­cher Mensch. Aber meine Aus­strah­lung ist wohl eine andere. Ich komme mir auch ein­fach immer total bescheu­ert vor, wenn ich pro­biere “natür­lich” zu lächeln 😉
    Kann man wohl nicht ändern. Das nächste Mal, wenn mich jemand dar­auf anspricht, dann sende ich der Per­son ein­fach den Link zu die­sem Blog-Eintrag 😀

  3. Irina

    Oh Gott, du sprichst mir aus der Seele!! Also mir geht es genau so und immer wenn mir die­ses “lach doch mal” gesagt wird endet dies meis­tens nur damit, dass ich genervt bin und alle genau das Gegen­teil errei­chen, näm­lich dass ich nicht lache! So schlimm und ner­vig 😖 Aber immer­hin gibt es da nicht nur meine Fami­lie, bei der das üblich ist.

  4. L

    Das heißt doch ‘Res­ting Bitch­face’ …

    • Anka

      Liebe/r L, ich denke, man kann bei­des sagen.
      Liebe Grüße!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *