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Minimize Me #2: Das Ausmisten

vanessaprofil

Das große Ausmisten! OMG!

Im ers­ten Teil ging es um den Mini­ma­lis­mus als Lebens­phi­lo­so­phie. Wir wis­sen jetzt, was es bedeu­tet, mini­ma­lis­tisch zu den­ken und zu leben. Jetzt kommt es dar­auf an, eine Vor­aus­set­zung zu schaf­fen, die euch die­ses Leben ermög­licht, soll­tet ihr daran Inter­esse haben. In ers­ter Linie geht es also um einen Neu­start, ein Reset eurer bis­he­ri­gen Lebens­um­stände. Kurz: Es geht um’s Aus­mis­ten eurer Woh­nung.

Oh mein Gott, dass werde ich nie schaf­fen! Ich fang am Bes­ten erst gar nicht an… Viele glau­ben sich ange­sichts den Unmen­gen an Din­gen, die sie besit­zen, vor einer kaum zu bewäl­ti­gen­den Auf­gabe. Wo soll man anfan­gen? Was soll man weg­wer­fen, was behal­ten? Und um ehr­lich zu sein: Aus­mis­ten hat nicht unbe­dingt den Ruf, Spaß zu machen. Ich sage aber, dass das nicht stimmt. Wenn man weiß, wieso man es tut, dann geht das Ganze fast wie von alleine. Ich werde euch zei­gen, wie ich das gemacht habe.

Zunächst ein­mal gilt: Wer viel ange­häuft hat, kann viel los wer­den. Die Anzahl der Gegen­stände, die ein Mensch zum Leben „braucht“, vari­iert und ist von Per­son zu Per­son unter­schied­lich. Man­cher kann aus einem Kof­fer leben und ist glück­lich, andere wie­derum brau­chen deut­lich mehr, um aus­ge­gli­chen zu sein.

Was aller­dings wich­tig ist, ist die Bereit­schaft, das man sich tat­säch­lich von Din­gen und einem per­sön­li­chen Zuviel tren­nen möchte. Denn wer spä­ter vor dem Sor­tie­ren steht und alles auf den Behalten-Haufen legt (siehe wei­ter unten), hat es ent­we­der gar nicht not­wen­dig zu ent­rüm­peln, weil er ohne­hin nur das hat, was er braucht oder aber er klam­mert sich an sei­nen Ramsch aus einer Viel­zahl von Grün­den.

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Weg­ge­ben oder behal­ten?

Damit kom­men wir zur Frage, was denn eigent­lich kon­kret blei­ben darf und was gehen sollte. Im Ide­al­fall sollte man nur Gegen­stände besit­zen, die man regel­mä­ßig ver­wen­det, die uns glück­lich machen oder die man im All­tag benö­tigt.

Dinge, die man gern hat, sind zum Bei­spiel das Kame­rae­quip­ment, wenn man gerne foto­gra­fiert oder Küchen­ge­räte, wenn man regel­mä­ßig für seine Freunde kocht. Oder der große Fern­se­her, wenn man gerne Filme schaut. Wich­tig ist, dass man diese Gegen­stände tat­säch­lich regel­mä­ßig nutzt und sie nicht unge­braucht seit Mona­ten oder gar Jah­ren in der Ecke lie­gen, weil man sie „irgend­wann mal“ viel­leicht benut­zen will.

Diese Gegen­stände soll­ten gehen. Denn: Alles, was man nicht regel­mä­ßig benutzt, nimmt unnö­tig Raum ein und man sollte sich davon ver­ab­schie­den. Wenn ihr eine Kamera habt (um das Bei­spiel von oben noch ein­mal zu erwäh­nen) und diese nicht nutzt, dann wer­det ihr sie auch nicht irgend­wann nut­zen – zumin­dest ist es eher unwahr­schein­lich, dass ihr plötz­lich eure Lei­den­schaft für Foto­gra­fie ent­deckt. Wenn ihr Klei­dung habt, die ihr nicht regel­mä­ßig tragt (aus­ge­nom­men ist Klei­dung für beson­dere Anlässe, sei es Busi­ness­wear oder eine Abend­ball­robe), wer­det sie los.

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Wie geht man voran?

Am Bes­ten ist, alles gemäch­lich anzu­ge­hen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und die meis­ten von uns haben eine begrenzte Zeit am Tag für Frei­zeit zur Ver­fü­gung, die sie nicht kom­plett mit dem Ent­sor­gen von heiß­ge­lieb­tem Plun­der, den sie nicht mehr benö­ti­gen, ver­schwen­den wol­len. Zudem fällt es vie­len schwer, sich von Sachen zu tren­nen.

Aber wieso fällt es eigent­lich so schwer, sich von Gegen­stän­den zu tren­nen?

Das hat meh­rere Gründe. Zum einen über­neh­men Gegen­stände die Auf­gabe des Erin­nerns. Das Boar­ding Ticket vom ers­ten gemein­sa­men Urlaub mit dem Part­ner, das Hals­band vom ver­stor­be­nen Hund – ich nenne sie hier token, Gegen­stände, die sym­bo­lisch für eine Erin­ne­rung ste­hen und an sich kei­nen wei­te­ren Nut­zen (mehr) haben. Denn mit dem Boar­ding Ticket kann ich nicht mehr flie­gen und das Hals­band kann ich höchs­tens für mei­nen neuen Hund ver­wen­den (wenn ich denn einen neuen habe und nicht schon ein neues und viel tol­le­res Hals­band oder sogar meh­rere neue für ihn gekauft habe, was zuge­ge­be­ner­ma­ßen rela­tiv wahr­schein­lich ist).

Es lohnt sich, sich von die­sem Gedan­ken zu ver­ab­schie­den und sich klar zu machen, dass eine Erin­ne­rung nicht ver­lo­ren geht, sobald man den Gegen­stand ent­sorgt, mit dem man diese Erin­ne­rung ver­knüpft. Ich spre­che hier nicht von der Hals­kette der gelieb­ten Oma, von der man sich in gar kei­nem Fall tren­nen möchte. Seid ehr­lich zu euch selbst, wenn ihr aus­sor­tiert. Meis­tens haben gesam­melte Muscheln aus dem vor­letz­ten Strand­ur­laub nicht die aller­größte Bedeu­tung und man hat sie trotz­dem, weil man halt Muscheln sam­melt, wenn man am Strand ist.

Ein wei­te­rer Grund ist das schlechte Gewis­sen. Wenn man unschöne Schlaf­an­züge von der Groß­tante zum Geburts­tag geschenkt bekom­men hat, dann hat man oft das Pro­blem, dass man sich schlecht fühlt, würde man ihn weg­wer­fen. Das bringt euch aber nichts. Denn anzie­hen wer­det ihr sie wahr­schein­lich auch nicht und so düm­peln sie in eurem Klei­der­schrank vor sich hin und neh­men euch kost­ba­ren Platz. Ent­we­der ihr ver­kauft die Geschenke und kauft eurer Groß­tante eine Auf­merk­sam­keit davon oder ihr spen­det sie. Des einen Mist ist des ande­ren Schatz und so wei­ter und so fort.

Das rigo­rose Durch­zie­hen des Aus­mis­tens erfor­dert eini­ges an Dis­zi­plin. Hel­fen kann euch dabei eure Vision und euer Ziel die­ses gan­zen Vor­ha­bens: Eine Woh­nung frei von Bal­last, mit genug Platz zum Ent­fal­ten (und weni­ger Auf­räu­men!).

Man beginnt, indem man sich für einen klei­nen Bereich sei­ner Woh­nung ent­schei­det. Wer gene­rell Schwie­rig­kei­ten mit dem Auf­räu­men hat, sollte sich gerade zum Anfang nicht zu viel zumu­ten. Sonst könnte schnell der Spaß an der Sache ver­lo­ren gehen. Man kann zum Bei­spiel mit dem Bade­zim­mer­re­gal anfan­gen oder der Kom­mode; dem Küchen­schrank oder der DVD-Sammlung. Wich­tig ist, dass der Bereich gerade so groß ist, dass man garan­tiert am sel­ben Tag fer­tig wird (Wenn ich an einem Tag nur eine Stunde habe, nehme ich mir viel­leicht nicht gerade den Klei­der­schrank vor). Und hier ist wie­der Dis­zi­plin gefragt: Bringt das Aus­mis­ten auch wirk­lich zu Ende. Wenn ihr am nächs­ten Tag nicht über Berge von Zeug stol­pert, die ihr noch nicht sor­tiert habt, wer­det ihr froh sein. Es gibt einige Ent­rüm­pe­lungs­pro­fis, die anders vor­ge­hen (z.B.Marie Kondo, die mit ihrer Auf­räum­lei­den­schaft berühmt gewor­den ist, schaut euch unbe­dingt ihre Videos an!) und sich alle Gegen­stände der­sel­ben Gat­tung in der Woh­nung vor­neh­men (z.B. Alle CDs oder alle Bücher). Diese Methode im Fol­gen­den hat mir per­sön­lich am Bes­ten gehol­fen, weil man sich so häpp­chen­weise durch die Woh­nung arbei­ten kann, ohne dabei ein rie­si­ges Chaos zu ver­an­stal­ten.

Ihr sor­tiert den Inhalt eures gewähl­ten Bereichs in drei Hau­fen.

ausmisten

BEHALTEN. Der erste Hau­fen besteht aus Gegen­stän­den, die ihr auf jeden Fall braucht bezie­hungs­weise die ihr in Zukunft regel­mä­ßig nut­zen wer­det.

WEG DAMIT. Der zweite Hau­fen beinhal­tet alle Gegen­stände, die ihr nicht mehr braucht oder die ihr nicht benutzt.

VIELLEICHT. Auf den drit­ten Hau­fen kom­men all die­je­ni­gen Gegen­stände, bei denen ihr euch unsi­cher seid, ob ihr sie weg­ge­ben oder behal­ten wer­det.

Der erste Hau­fen wird behal­ten. Der zweite Hau­fen wird ent­sorgt bezie­hungs­weise ver­schenkt und weg­ge­ge­ben. Der dritte Hau­fen wird in einer Kiste oder in einem ande­ren Behält­nis an einem Ort für maxi­mal 6 Monate zwi­schen­ge­la­gert, wo ihr am Bes­ten gar nicht damit in Berüh­rung kommt. Nach die­sen sechs Mona­ten schaut ihr euch die Kiste wie­der an. Alles, was ihr nicht gebraucht oder ver­misst habt, darf euch ver­las­sen.

That’s it. Das Sys­tem an sich ist kein kom­pli­zier­tes. Schwie­ri­ger wird’s beim tat­säch­li­chen Weg­wer­fen, vor allem, wenn man Pro­bleme hat, sich von Gegen­stän­den zu tren­nen. Wenn ihr wollt, bedankt euch bei eurem Gegen­stand, den ihr weg­ge­ben wollt, für sei­nen treuen Dienst. Das mag sich lächer­lich anhö­ren, aber es hilft.

Denkt immer an euer Ziel und mit der Zeit wird die ganze Sache rich­tig Spaß machen. Aller­spä­tes­tens, wenn ihr merkt, dass eure Woh­nung plötz­lich von selbst grö­ßer zu wer­den scheint und ohne gro­ßes Zutun auf ein­mal auf­ge­räum­ter ist.

Jetzt sind wir bereit für den nächs­ten Teil, wo ich euch zei­gen werde, wie ein­fach es ist, seine Woh­nung ohne viel Arbeit und Zeit immer auf­ge­räumt und geord­net zu hal­ten.


Über mich
Hallo, ich heiße Vanessa, bin die Zwil­lings­schwes­ter von Anka und lebe in Wien.
In der Serie Mini­mize Me schreibe ich über Mini­ma­lis­mus & dar­über, wie man sein Leben
ver­ein­fa­chen und neu­ge­stal­ten kann.
Alle Teile der Serie fin­det ihr hier.

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